Ostermarsch 2019

Der nächste Ostermarsch wird am Ostermontag, dem 22. April 2019, stattfinden. Unter dem Motto „Frieden statt Krieg exportieren“ protestieren wir gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer und für mehr ziviles Engagement.

Die Schweiz ist pro Kopf die viertgrösste Waffenexporteurin weltweit. Was im Ausland mit unseren Waffen geschieht, haben wir nicht in der Hand. Einschüchterung, Unterdrückung, offene Gewalt bis hin zu Kriegshandlungen sind möglich (nachweislich z. B. mit Waffen des bundeseigenen Rüstungskonzerns Ruag). Gleichzeitig rühmt sich die Schweiz mit ihrer Neutralität und humanitären Tradition. Auf der einen Seite Friedensvermittlerin, auf der anderen Seite Kriegstreiberin: Das ist heuchlerisch.

Stoppen wir sofort:

  • die Doppelmoral der Schweizer Aussen- und Wirtschaftspolitik
  • den Export von Waffen, Munition und sonstigem Kriegsmaterial

Exportieren wir stattdessen:

  • Handelsgüter, die zu einem guten Leben beitragen
  • Dienste, die den Frieden fördern, wie diplomatische Vermittlung, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Wir sind nicht darauf angewiesen, die Welt mit Waffenlieferungen unsicherer zu machen. Die Schweiz hat Besseres zu exportieren als Waffen!

Exportieren wir Frieden!

Johan Jaquet zum Ostermarsch 2019

2018 hatte ich die Möglichkeit, ein lange geplantes Projekt in die Tat umzusetzen; nämlich mich in einer NGO in Afrika südlich der Sahara für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Die Prinzipien und Methoden von Peace Brigades International sind darauf ausgerichtet, lokale Organisationen zu stärken und nicht eine manchmal neokolonialistisch anmutende Entwicklungshilfe zu leisten. Dies schien mir plausibel und wichtig. Ich entschied mich somit dafür, mich während 7 Monaten als Freiwilliger für PBI Kenia in Nairobi zu engagieren und erlebte eine kurze aber unvergessliche und ereignisreiche Zeit. Unsere Arbeit bestand insbesondere darin, Workshops zur Dokumentierung von Menschenrechtverletzungen mit zu organisieren, welche von kenianischen und internationalen ExpertInnen geleitet werden. Von den AktivistInnen, die an diesen Workshops teilnahmen, konnte ich sehr viel lernen. Die Kenntnisse ihrer Lebensrealitäten und ihre Fähigkeit, uns ihr Verständnis dieser lokalen Realitäten weiterzugeben, haben mich sehr beeindruckt.

In Kenia sowie überall auf der Welt stehen unzählige MenschenrechtsverteidigerInnen an erster Front, um sich für Frieden, Freiheit und Demokratie einzusetzen. Als Sprachrohr benachteiligter Gruppen prangern sie Menschenrechtsverletzungen an und fordern Gerechtigkeit anstelle der herrschenden Straffreiheit. Einige Regierungen und Unternehmen fühlen sich an der Arbeit dieser AnwältInnen, GewerkschaftlerInnen, KünstlerInnen und AktivistInnen, welche sich oft freiwillig für die Rechte von Frauen, Bewohnern ärmlicher Stadtviertel, von ihrem Land vertriebene Bevölkerungsgruppen oder für die Umwelt einsetzen, gestört. Für ihren Mut müssen die AktivistInnen jedoch mit Bedrohungen, willkürlichen Verhaftungen und Inhaftierungen, Gewalttaten, Folter und in manchen Fällen sogar Ermordungen bezahlen.
Indem sie Teams von internationalen Freiwilligen in Konfliktgebiete sendet, begleitet die NGO Peace Brigades International (PBI) diese MenschenrechtsverteidigerInnen und zeigt so den Regierungen, dass Menschenrechtsverletzungen beobachtet und der internationalen Gemeinschaft gemeldet werden. Dies trägt zur Verhinderung von Gewalt gegen MenschenrechtsverteidigerInnen bei. PBI ist unabhängig, unparteiisch und mischt sich nicht ein. Dies ermöglicht es den begleiteten AktivistInnen, ihre wichtige Arbeit fortzusetzen und schafft einen Raum für Frieden, um Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Die sieben laufenden Projekte von PBI vor Ort befinden sich hauptsächlich in Lateinamerika (Guatemala, Honduras, Kolumbien und Mexiko), aber auch in Asien (Nepal und Indonesien) und in Afrika (Kenia). Die 1981 gegründete Organisation PBI umfasst ausserdem 13 Ländergruppen in Europa und Nordafrika, welche für Lobby-, Vernetzungs-, Sensibilisierungsarbeit sowie Mittelbeschaffung und Freiwilligenrekrutierung zuständig sind. Bisher konnte PBI Schweiz bereits 117 SchweizerInnen für einen Einsatz als MenschenrechtsbeobachterIn im Ausland gewinnen, um… Frieden zu exportieren!

Frieden statt Krieg exportieren: Was heisst hier STATT?

Man könnte dieses «STATT» als ein «Entweder-Oder» verstehen: Entweder wir exportieren Krieg oder wir exportieren Frieden. Aber so einfach ist es nicht. Ein Blick in die Geschichte zeigt das. Es war immer ein «Mehr-oder-Weniger». Die Schweiz war schon früh ein kriegsexportierendes Land. Im Mittelalter gab es die so genannten «Reisläufer», Schweizer Söldner im Dienst von ausländischen Armeen. Sie waren Wirtschaftsflüchtlinge, welche im Ausland für den Meistbietenden töteten. Die Reisläuferei endete erst im 19. Jahrhundert, vor allem weil mit der Zeit das Plündern eingeschränkt wurde, eine wichtige Einkunftsquelle. Ebenfalls im 19. Jahrhundert übernahm die Schweiz mehr und mehr eine vermittelnde Rolle bei Schlichtungsprozeduren verfeindeter Staaten. So wurden die «Schlechten Dienste» der Schweiz langsam durch die «Guten Dienste» ersetzt. Entsprechend geht es darum, auch die «schlechten Waren» durch «gute Waren» abzulösen. Das sind prozesshafte Entwicklungen, die durchaus möglich sind. Denn in der Wirtschaft werden permanent alte Produkte durch neue ersetzt. Schon lange werden in der Schweiz keine Hellebarden und Morgensterne mehr produziert. Heute produziert die Schweiz völlig andere Waffen. Sie hätte die Hellebarden und Morgensterne aber auch durch friedliche Produkte ersetzen können. Man nennt das Rüstungskonversion, und es gibt reichlich Beispiele, dass das funktioniert – wenn man nur will. So heisst also «Frieden STATT Krieg exportieren»: Schrittweise von schlechten Diensten und Gütern auf gute Dienste und Güter umstellen. Es ist kein «Entweder-Oder», sondern ein «Mehr-oder-Weniger». Und weil eine wahrhaft friedliche Welt, die diesen Namen verdient, eine Welt ohne Bedrohung durch Waffen sein wird, muss der Weg zum Ziel ein «Immer weniger» an Waffen sein.