Über 1100 Menschen jeglichen Alters demonstrieren am Ostermarsch für gerechtes Wirtschaften!

Heute fand in Bern bereits zum 16. Mal der traditionelle Ostermarsch unter dem Motto „Gerechtes Wirtschaften für den Frieden“ statt. Bei schönem Wetter haben über 1100 Personen aus allen Altersgruppen an der Demonstration teilgenommen.

Voraussetzung für Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Waffengewalt sondern auch eine gerechte Wirtschaft. Deshalb steht im Zentrum des diesjährigen Ostermarschs die Konzernverantwortungsinitiative. Diese will, dass Konzerne den Schutz von Menschenrechten und der Umwelt verbindlich in sämtliche Geschäftsabläufe einbauen.  „Solange sich internationale Konzerne durch die Ausbeutung von Menschen und Umwelt bereichern, ist eine friedliche Welt nicht möglich,“ betont GSoA-Sekretärin und Mitglied des Organisationskomitees Eva Krattiger.

Der Ostermarsch ruft deshalb alle auf, als KonsumentInnen auf gerecht hergestellte Güter zu kaufen und als Verantwortliche in Unternehmen auf die Ausbeutung von Menschen und Umwelt zu verzichten. Wie sich gezeigt hat, reichen diese freiwilligen Massnahmen aber nicht, weshalb der Ostermarsch auch PolitikerInnen auffordert, sich für verbindliche Regulierungen einzusetzen und die Stimmberechtigten ermuntert, die Konzernverantwortungsinitiative an der Urne anzunehmen.

Das Komitee des Ostermarschs ist sehr erfreut, dass der Ostermarsch auch in diesem Jahr so zahlreich besucht wurde. „Jedes Jahr kommen mehr Leute an den Ostermarsch. Das Bedürfnis, gemeinsam für den Frieden einzustehen, ist auch bei den jüngeren Generationen da.“, freut sich Eva Krattiger.

Ostermarsch 2018

Der nächste Ostermarsch wird am Ostermontag, dem 2. April 2018, stattfinden. Unter dem Motto „Gerechtes Wirtschaften für den Frieden“ protestieren wir gegen die grosse Ungerechtigkeit in der Welt und fordern ein friedliches Zusammenleben.

Unser Wohlstand beruht darauf, dass andere Menschen unter Bedingungen  arbeiten müssen, die wir für uns selber nie akzeptieren würden. Auf ausbeuterische Art und Weise werden Konsumgüter für uns hergestellt. Die lokale und globale Umwelt wird zugunsten einer billigen Produktion verschmutzt und verwüstet. Diese grosse Ungerechtigkeit verunmöglicht ein friedliches Zusammenleben im globalen Kontext.

Mit dem Ostermarsch 2018 laden wir alle dazu ein, ihren Beitrag für mehr Gerechtigkeit und Frieden zu leisten. Konkret:

  • bemühen wir uns als KonsumentInnen, sozial- und umweltgerecht hergestellte Güter zu kaufen.
  • verzichten wir als Verantwortliche in Unternehmen auf die wirtschaftliche Ausbeutung von Mensch und Natur im In- und Ausland und machen wir die Produktionsbedingungen der Güter transparent.
  • setzen wir uns als PolitikerInnen ein für verbindliche Regulierungen in der nationalen und internationalen Gesetzgebung.
  • sagen wir als StimmbürgerInnen «JA» zur Konzernverantwortungsinitiative.
  • sind wir alle bereit, unseren Wohlstand zu teilen und somit gerechter zu verteilen. So fördern wir den Frieden in Gegenwart und Zukunft.

Teilen wir unseren Wohlstand!

Wir alle sind Teil des gegenwärtigen Wirtschaftssystems. Eines Systems, das auf Ungerechtigkeit beruht. Wer etwas zu verkaufen hat, versucht, es möglichst teuer zu verkaufen. Wer etwas kauft, versucht, es möglichst billig zu kaufen. Beides ist nicht gerecht.

Gerecht wäre, einen möglichst fairen Preis zu verlangen und zu bezahlen. Mit fairen Preisen beschäftigen sich die Fairtrade-Organisationen, die bisher nur ein Nischendasein führen. Und selbst deren Preise sind nicht wirklich fair. Denn gerecht hiesse: Wer eine bestimmte Leistung erbringt, kann sich von seinem Lohn gleichviel kaufen, unabhängig davon, in welchem Land sie oder er lebt. Davon sind wir noch weit entfernt.

Gerechtigkeit wächst erst dann, wenn wir als KonsumentInnen und ProduzentInnen bereit sind, mehr zu bezahlen, als der „Markt“ verlangt, bzw. weniger zu fordern, als der „Markt“ erlaubt. Gerechtigkeit braucht Grosszügigkeit. Gerechtigkeit braucht die Bereitschaft, zu teilen. Gerechtigkeit braucht faire Rahmendbedingungen im nationalen und internationalen Recht. Wir BewohnerInnen der westlichen Welt sind die Profiteure des gegenwärtigen Systems. Wir hätten die Möglichkeit, uns innerhalb dieses Systems gerechter und friedlicher verhalten. Und wir hätten die Möglichkeit, dieses System in Richtung mehr Gerechtigkeit und Frieden weiter zu entwickeln. Aber nur dann, wenn unser Antrieb nicht weiter ein möglichst grosser Eigennutz ist. Es gäbe andere Antriebe: Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit, Anstand, Verantwortungsgefühl.

Wäre es nicht schön, in einer Welt zu leben, wo alle genug haben zum Leben, wo man nicht ständig misstrauisch sein muss, ob man durch zu hohe oder zu niedrige Preise über den Tisch gezogen wird, wo man einander vertrauen und sich darauf verlassen kann, dass jedeR einen fairen Lohn bekommt für seine bzw. ihre Arbeit? Diese Welt ist möglich. Und sie wird um so schneller kommen, je mehr von uns dazu beitragen. Leisten wir also unseren Beitrag zu einer gerechteren Welt, denn Gerechtigkeit ist der Weg zum Frieden!

Verbindliche Regulierungen!

In den letzten Jahren haben viele Unternehmen begonnen, auf ihre soziale und ökologische Nachhaltigkeit und ihre Verantwortung zu achten. Davon zeugen auch die vielen Geschäftsberichte, die nicht mehr auskommen ohne Nachhaltigkeitsstrategien und die dazu gehörige Berichterstattung. Trotzdem lassen die Vorfälle, in denen Schweizer Unternehmen die Menschenrechte und ökologischen Grundsätze verletzen, nicht nach. Denn: wer sich vor seiner Verantwortung drücken will, ist nach heutigem Gesetz nicht gezwungen, sich mit den Auswirkungen des eigenen wirtschaftlichen Handelns auseinander zu setzen.

Im Gegensatz zur Schweiz sind die Bestrebungen auf internationaler Ebene jedoch schon weiter. Die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte fordern einen Smart-Mix aus verbindlichen und unverbindlichen Massnahmen. Bereits jetzt sind zahlreiche europäische Länder an der Arbeit, nationale Aktionspläne und verbindliche Massnahmen auszuarbeiten, um die Unternehmen zu einem verantwortungsvolleren Wirtschaften zu bringen.

Die Schweiz hinkt in dieser Hinsicht also hinterher. Doch mit der Konzernverantwortungsinitiative besteht die Möglichkeit, dieses Manko aufzuholen und die Verantwortung der Unternehmen für ihr Handeln in der Verfassung festzuschreiben. Was dabei gefordert wird, ist nichts anderes, als was für jede Einzelperson gilt: Wir sind für unsere Handlungen verantwortlich.

Deshalb setzen wir uns als PolitikerInnen für verbindliche Regulierungen in der nationalen und internationalen Gesetzgebung ein.

Globale Geschäfte, globale Verantwortung!

Wir kennen alle die Bilder: Hunderte übermüdete Gesichter hinter Nähmaschinen in Kleiderfabriken in Bangladesch, Kinder mit Hautausschlägen in Rohstoffminen in Zentralafrika, Männer und Frauen mit Missbildungen in Ganzkörperanzügen und Rucksäcken voller chemischem Dünger in Argentinien.

Sie alle sind Opfer von multinationalen Konzernen, welche sich nicht um die Menschenrechte und um die Umwelt scheren. Sie stellen den Profit über die Sicherheit der ArbeiterInnen und den Schutz der Umgebung. Viele dieser Firmen haben ihren Hauptsitz in der Schweiz.
Mit der Konzernverantwortungsinitiative soll sich das ändern: Sie fordert, dass Firmen prüfen, wo in ihren Produktionsketten Menschenrechte gefährdet und die Umwelt geschädigt werden könnte und diese Risiken einschränken– auch in ihren Auslandstätigkeiten.

Bereits heute haben einige Grosskonzerne, vor allem durch den gesellschaftlichen Druck, begonnen sich mit ihrer Verantwortung auseinander zu setzen. Diese entstandenen Ansätze sind zwar begrüssenswert aber freiwillig und werden nur von sehr wenigen vorbildlichen Unternehmen eingehalten. Das Gros der Konzerne wirtschaftet bis heute ohne Rücksicht auf Verluste.
Trotz den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hat sich in der Schweiz noch nichts grundlegend verändert. Es wird deutlich: Der Plan vom Bundesrat auf freiwillige Massnahmen zu setzen, geht nicht auf. Damit eine reale Veränderung in Richtung sauberes Wirtschaften in Gang gesetzt wird, braucht es rechtlich bindende Regeln. Und wie in keinem anderen Land, haben wir es als StimmbürgeInnen in der Hand diese zu setzen. Stimmen wir an der Urne „Ja!“ zur Konzernverantwortungsinitiative.